Erste große Einsatzübung mehrerer Organisationen auf dem Walberla

Ein abgestürztes Segelflugzeug war Ausgangspunkt einer Großübung auf dem Walberla.

Kirchehrenbach     Verletzte schreien um Hilfe, Rauch und Feuer, ein Traktor droht abzustürzen, zwischen Felsen sitzen Verletzte fest – und dass alles bei strahlendem Sonnenschein auf dem Plateau des Walberla in 514 Metern Höhe. Neben der Kirchehrenbacher Feuerwehr rücken der Ortsverband des Technischen Hilfswerks (THW), die Bergwacht Forchheim, der Arbeiter Samariter Bund (ASB) Fränkische Schweiz und ein Hubschrauber der Bayerischen Bereitschaftspolizei an. Großeinsatz. Zum Glück nur zu Trainingszwecken.

Erstmals überhaupt fand vergangenen Samstag unter dem Decknamen „Walburga“ eine großangelegte Einsatzübung auf dem Zeugenberg Ehrenbürg – der nördliche Teil ist das Walberla – statt. Insgesamt 58 ehrenamtliche und einige hauptamtliche Retter waren beteiligt. Das Ausgangsszenario war der Zusammenstoß eines Segelfliegers mit einer Drohne. Bei der Notlandung auf dem Berg verschreckt der Flieger zwei Waldarbeiter (die stürzen bzw. eingeklemmt werden). Schließlich segelt das Fluggefährt in einen kleinen illegalen Campingplatz, durch ein Lagerfeuer beginnen Rasen und Wald zu brennen – in Richtung Steilhang. Menschen werden verletzt, rennen schockiert weg. Zwei stürzen den nordwestlichen Hang hinunter, zwei weitere liegen bewusstlos am Hang Richtung Rodenstein.

„Das klingt vielleicht etwas nach Actionfilm, aber sowohl abgestürzte Segelflugzeuge, abgestürzte Gleitschirmflieger, als auch durch Leichtsinn verursachte Brände hatten wir hier oder in der Region bereits alles“, erklärt Kommandant Sebastian Müller, der die Übung hauptverantwortlich vorbereitete – mit tatkräftiger Unterstützung aus allen Organisationen: Stefan Lalla vom THW, Denis Lieb von der Bergwacht und Jürgen Schütz vom ASB. Die vier Männer trafen sich vor fünf Monaten das erste Mal dafür.

Nach und nach rückten ab etwa 14:15 Uhr die 20 Feuerwehrdienstleistenden, 15 Rettungsdienst-Mitarbeiter, 12 Bergwacht- sowie neun THW-Helfer mit insgesamt 14 Einsatzfahrzeugen, vom Quad über Löschfahrzeuge bis zum Unimog-Rettungswagen an. Als Feuerwehr-Einsatzleiter fungierte der stellvertretende Kommandant Bernd Gebhard. In Zusammenarbeit mit den beteiligten Organisationen wurden Aufgaben abgestimmt und verteilt. Parallel erfolgte die (vorher natürlich geplante) Anforderung des Polizeihubschraubers. Etwa 25 Minuten dauerte der Flug aus Roth, bevor die Eurocopter-Maschine zur Landung ansetze, einen Luftretter der Bergwacht aufnahm und mit der Seilwinde die Verletzten aus dem Steilhang holte.

Während die Einsatzkräfte versuchen, der Lage Herr zu werden, führten die Organisatoren eine Gästegruppe durch das Übungsgelände. Unter den interessierten Zuschauern waren Landrat Herrmann Ulm, Dritter Bürgermeister Konrad Galster mit vier Gemeinderäten, Kreisbrandrat Oliver Flake mit den Kreisbrandinspektoren Johannes Schmitt und Ernst Messingschlager sowie Kreisbrandmeister Dietmar Willert. Außerdem ließen sich Manfred Hänchen, Leiter der zuständigen Polizeiinspektion Ebermannstadt mit zwei Kollegen sowie zwei Journalisten ausführlich von Feuerwehrchef Müller über alle Details informieren.

Im Mittelpunkt stand für alle Beteiligten die Zusammenarbeit der Organisationen. Primär arbeiteten Feuerwehr, THW und Bergwacht Teile des Szenarios separat ab – jeder benötigte aber irgendwie auch die Unterstützung des anderen. Insgesamt mussten acht realistisch geschminkte Verletzte (davon eine Puppe) befreit und/oder versorgt werden. Unter ihnen befand sich auch Kreis- und Gemeinderat Laurenz Kuhmann.

Nach knapp eineinhalb Stunden war das von dutzenden Wanderern und Spaziergängern hautnah verfolgte Spektakel vorbei. Alle Beteiligten trafen sich im Feuerwehrhaus zu einem kleinen Abschlussessen. Dabei dankten Landrat Hermann Ulm und Kreisbrandrat Oliver Flake ganz herzlich allen Teilnehmern für ihr Engagement und den Organisatoren für die Ausarbeitung. Besonderes Lob widerfuhr die jetzt seit drei Jahren bestehende Zusammenarbeit der Organisationen in der Walberlagemeinde.

Ursprung der Großübung war der 2017 eingeführte jährliche gemeinsame Termin mit dem THW-Ortsverband, der dieses Mal etwas „ausgeweitet“ wurde. Sowohl mit dem ASB als auch mit der Bergwacht sollten gemeinsame Übungen durchgeführt werden, was lag also näher, als alle miteinander zu verbinden. „Dass dann auch noch von der Polizei sehr schnell die Beteiligung mit dem Hubschrauber zugesagt wurde, war natürlich das i-Tüpfelchen für alle Teilnehmer“, so Müller.

Da es sich beim Walberla um ein Naturschutzgebiet handelt, waren das Landratsamt Forchheim sowie die Regierung von Oberfranken in der Planungsphase beteiligt. „Bei der Durchführung der Übung wurde auf die Belange des Naturschutzes natürlich bestmöglich geachtet. Wir können einen wichtigen Teil des Gemeindegebiets nicht gänzlich ausklammern. Auch dort, im Naturschutzgebiet, muss die Sicherheit gewährleistet werden. Die gesetzliche Hilfsfrist gilt auch für das im Gemeindegebiet liegende Walberla“, sagte Kommandant Müller den Gästen. Zahlreiche Unglücksfälle der Vergangenheit und die Zahl der Wanderer bei schönem Wetter bestätigen leider, dass immer wieder etwas passiert.

Ganz besonders dankten die Verantwortlichen dem örtlichen Theaterverein Walberlabühne für das Spielen der Verletzten, der Fränkischen Fliegerschule Feuerstein für das zur Verfügung gestellte Segelflugzeug samt Piloten sowie Auf- und Abbau und dem THW-Ortsverband Forchheim für die Darstellung des Flächenbrands.  

Bericht: Sebastian Müller (FFW Kirchehrenbach)

Bilder: Udo Güldner,Georg Müller, Sebastian Müller und Max Dietz (alle drei FFW Kirchehrenbach)